Sachs Franken Classic – frisch wie am ersten Tag

Fahren wie Gott in Franken

Eigentlich war sie wie jedes Jahr und dennoch war sie wieder erfrischend anders: Die Sachs Franken Classic zeigte sich auch in ihrer 17. Auflage kein bisschen müde oder abgenutzt. Die Eckpunkte sind seit Jahren die selben mit dem Dreh- und Angelpunkt Bad Kissingen, einer kurzen Schleife am Freitag (70 km), einer weitgespannten Schleife am Samstag (230 km) und einer Schleife am Pfingstsonntag (210 km). Für das moderate Nenngeld bekamen die 180 Teams ein All-inclusiv-Paket als Gegenleistung, das in Deutschland seinesgleichen sucht.

Die Fahrtstrecke, fast ausnahmslos über ruhige Nebenstraßen, lotste die Teilnehmer durch die kleinteiligen, abwechslungsreichen, friedfertigen Landschaften des unterfränkischen Agrarlandes, berührte berühmte Weinlagen, durchquerte fachwerkgeschmückte Bauern- und Winzerdörfer und führte immer wieder in überraschend lebendige Kleinstädtchen und zu diskreten Landschlössern, die offensichtlich in großer Zahl die Jahrhunderte überstanden haben. 21 Wertungsprüfungen mit abwechslungsreich aufgestellten Lichtschranken forderten die Sieganwärter heraus und bereiteten auch den weniger Hundertstelambitionierten die Freude, eine sportliche Leistung abgegeben zu haben.

Zur Sachs Franken Classic gehören auch die niveauvollen Abendveranstaltungen mit artistischen und musikalischen Showeinlagen. Zum ganz besonderen Ambiente trugen die kurstädtischen Traditionsstätten bei, die schon Reiche, Adlige, Könige und Zaren begeistert haben: das Kurgartencafé am Freitagabend, die Wandelhalle am Samstag und der Regentenbau am Sonntag zum Galaabend mit Siegehrung. Rallyeleiter Karlheinz Schott spielte aber nicht nur auf der Klaviatur des auf modernes Niveau gebrachten Kurstadtflairs, sondern offerierte sowohl den lust- als auch den sportbetonten Teilnehmern eine Komplettveranstaltung, die in sich schlüssig und perfekt abgerundet ablief - wieder einmal, möchte man ergänzen.

Trotz der Annehmlichkeiten in festlich-würdigen Räumen, im Rosenpark, vor Springbrunnen, Musikpavillons und in Kurparks mussten die Teams ihre Lorbeeren draußen auf der Strecke verdienen. Spätestens beim Anzählen der Startzeit holte die Rallyerealität Fahrer und Beifahrer ein. Mehr als 60 Lichtschrankenzeiten sorgten für ein ehrliches Ergebnis, das Zufallstreffer ausschloss und mit der Gnade einer Streichzeit einen Lapsus vergessen ließ. Die puren Abweichungen der Idealzeiten gerechnet, addierten sich die Hundertstel beim Porsche-Team Norbert Henglein und Günter Röthel auf 3,63 Sekunden und beim BMW-Team Gianmaria Aghem und Rossella Conti auf 3,73 Sekunden. Nach Multiplizierung mit dem Baujahrfaktor tauschten sich die Plätze, und die Italiener auf dem BMW 328 von 1938 lagen mit 5,16 Sekunden vor dem mittelfränkischen 911-RSR-Team mit 6,36 Sekunden (Bj. 1975). Dieser Konsens, den die Franken Classic seit Jahren praktiziert, ist in der Ausschreibung manifestiert und findet breites Wohlgefallen, da er die mangelnde Beweglichkeit älterer Fahrzeuge tendenziell auszugleichen hilft. Das passt in die stimmige Rechnung mit einem großen gemeinsamen Nenner, zu der gehört, dass die Hardliner und die Genießer gleichermaßen ihre Höhepunkte erleben. Diese Klassikvariante des einstigen Laufs zur Deutschen Rallyemeisterschaft verleugnet nicht ihre sportliche Abstammung und Grundstruktur, gibt aber jederzeit auch denjenigen eine Chance, die sich nicht mit IT hochrüsten wollen. Nicht zuletzt zeigt die Teilnahme von so manchen erfolgsverwöhnten CEOs, wie klassenlos sich eine durchaus ehrgeizige Oldtimermeute durch Unterfranken navigieren und anschließend Ranglisten und Plazierungen hinnehmen kann, wenn die verschiedenen Erlebnisebenen befriedigt werden.

Gut 500 Kilometer Rallyestrecke forderten sowohl die Menschen als auch die Maschinen. Nicht zuletzt die geschätzten 100.000 Zuschauer bedauerten den frühzeitigen technischen Ausfall der Vorkriegsteams Blumenstock auf Alvis Speed (1938) mit Differentialbruch und Lindekuh/Fickert auf Maxwell (1906). Auch jüngere Autos blieben stehen mit Lichtmaschinen- und Benzinpumpendefekt sowie gebrochenem Getriebezahnrad.

Eine ungewöhnliche, aber Publikumsmassen anziehende Wertungsprüfung fand im Würzburger Porsche-Zentrum statt. Auf einer mit Teppichen dargestellten Straße fuhren die Oldtimer im Schritttempo längs durch den leergeräumten, dafür mit Zuschauern überfüllten Ausstellungs- und Werkstattbereich des Autohauses, inklusive einer Lichtschrankenwertungsprüfung, deren Start und Ziel im allgemeinen Rummel nicht einfach zu erkennen waren.

Zu den sympathischen Extras jeder Franken Classic gehörte auch diesmal der Concours d'Elégance. Die Fahrzeuge rollten zunächst durch den Kurpark und defilierten dann auf dem Platz vor der Spielbank an einem Tisch mit Ehrengästen als Jury. Abseits des sportlichen Rallyeergebnisses nahm Thomas Valko für seinen Jaguar MK VII, Baujahr 1953 einen Extrapokal mit in die Schweiz. Überhaupt waren die Eidgenossen stark vertreten mit 20 Teams. Und noch eine Zahl: Mehr als zwei Dutzend Vorkriegsautos, die sich der Herausforderung von zweieinhalb Tagen Action und gut 500 Kilometern Strecke stellten, verdienen ein ganz besonderes "Bravo!".

Zu dieser 17. Ausgabe der Sachs Franken Classic passen Begriffspaare wie Tradition/Innovation, Sprint/Marathon, Landschaft/Städte, fahren/feiern, Sportlichkeit/Gesellschaftliches, Reaktionsschnelligkeit/Geduld gleichermaßen, oder man fasst alles unter dem Veranstaltermotto zusammen: Fahren wie Gott in Franken!

Rainer Greubel